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Villa Fischer

Erbaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Dieses Haus, türmchenbewehrt und mit viel Zierart und Schnörkel versehen, war Heimat von zwei Personen, die – jede auf ihre Art - sehr eng mit der Kandeler Geschichte verbunden waren: Elias Fischer und Marisa Wiesheu, weitaus besser bekannt unter ihrem Ordensnamen Schwester Himeria.
Elias Fischer, der Erbauer und Namensgeber, war Lehrer an der Protestantischen Schule in Kandel. Er war aber auch einer der Wortführer der Kandeler Liberalen beim Pfälzischen Aufstand des Jahres 1849. Er wurde daher vom Königlich-Bayerischen Landkommissariat Germersheim als „Eines der tätigsten Mitglieder und namentlich Schriftführer“ einer „Hochverräterischen Bewegung in der Pfalz“ vom Schuldienst suspendiert.
Um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, gründete Fischer eine Holzhandlung mit Sägewerk. Seinen Platz hatte dieser Betrieb auf dem Gelände, auf dem heute das Werk der Firma Beru-Eichenauer befindet. Die Kandeler Bürger hatten Fischer und seine liberalen Ideen nicht vergessen. Denn im Jahre 1884 wählten sie den „Alt Revoluzzer“ erneut in den Gemeinderat.

Im Jahre 1926 wurde die Villa Fischer von den Kandeler Katholiken ersteigert, die dort ein „Schwesternhaus“ mit einer Krankenpflegestube sowie einer „Kinder- und Nähschule“ einrichteten.
Als junge Ordensfrau kam Schwester Himeria 1929  nach Kandel. Hier war „die kleine Frau mit dem großen Herzen“ mehr als 50 Jahre lang als „Krankenschwester“ tätig.
Es gab in diesen Jahren wohl kaum einen Kandeler, gleich ob Katholik oder Protestant, dem sie nicht in irgendeiner Form geholfen hat. Die Stadt Kandel dankte es ihr, in dem sie die Schwester die „ein leuchtendes Beispiel des Dienens gegeben“ hatte, 1980 zur Ehrenbürgerin ernannte.